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Etappe 37: Was fühlt man am Ende einer solchen Reise?

Unglaublich. Heute nehme ich meine letzte Etappe in Angriff! Es liegen nur mehr 18 Kilometer zwischen mir und meinem endgültigen Ziel Muggia. Gestern hat mich noch meine Schwester überrascht – sie begleitet mich nun auf den letzten Metern. Ich freu mich sehr darüber, denn im Alltag haben wir nicht oft die Möglichkeiten fünf Stunden durchgehend miteinander zu sprechen. Kann es kaum erwarten.

Nach einem wundervollen Frühstück im B&B In Valle machen wir uns auf den Weg. Wieder geht es in den Wald, an Weingärten und Olivenbäumen vorbei und kleinen Trampelpfaden entlang. Es ist ein angenehmer Weg, der gute Gespräche zulässt und einem die Natur wieder mal von seiner schönsten Seite zeigt. Das Wetter ist bewölkt, die Temperatur angenehm. Gerade heute hätte ich mir strahlenden Sonnenschein gewünscht, denn ich möchte nach meiner Ankunft unbedingt ins Meer springen. Dafür habe ich mir einen hundefreundlichen Abschnitt rausgesucht, damit auch Pixi mit ins Wasser kann.

Wir sind schon einige Stunden unterwegs, da umhüllt uns ein wunderbarer Duft. Wir sind neugierig und so dauert es nicht lange bis wir den Verursacher identifizieren. Der Trail führt direkt an der riesigen Produktionsstätte einer Konditorei vorbei. Um ehrlich zu sein, hätten wir dort gerne eine Pause eingelegt.

Noch ein letztes Mal geht es steil bergauf. Wir haben mit dem Untergrund etwas zu kämpfen, denn dort sind grobe Steine aufgeschüttet. Man muss gut aufpassen, wo man hintritt, damit man nicht abrutscht oder umknöchelt.

Mein Tipp: Obwohl die Etappe sonst gut mit Trailschuhen zu bewandern ist würde ich beim nächsten Mal, eben wegen diesem kleinen Teilstück, zu den Bergschuhen greifen.

Jetzt ist es nicht mehr weit. Ich kann schon das Meer sehen und Muggia ist zum Greifen nahe. Wir gehen durch die schmalen Gassen des wunderschönen italienischen Dorfes. Überall herrscht reges Treiben und kleine individuelle Geschäfte reihen sich aneinander. Frisches Obst und Gemüse wird angeboten und die Restaurants wappnen sich für das Abendessen.

Ich nehme das alles nur am Rande war. Ich kann es einfach nicht glauben, dass ich in wenigen Minuten das Ende meiner Reise erreichen werde. Ich bin schon so gespannt, was mich am definitiven Endpunkt erwartet. Schritt für Schritt nähere ich mich meinem Ziel. Dann ist es soweit. Ich sehe die Statue des Wanderers und lasse mich an der Steinkante zum Wasser nieder. Es ist bewölkt und ich bin absolut sprachlos. Ich versuche meine Gefühle einzuordnen. Ich fühle eine ganz großen Erleichterung aber auch ein bisschen Leere. Ich bin so viele Tage immer mit diesem Ziel vor Augen gewandert. Habe Tiefen überwunden und Höhen erlebt und jetzt ist das alles auf einmal zu Ende. Der Trail hat mir so viel gegeben und jetzt soll ich einfach in den Alltag zurückkehren. Ja, aber ich bin mir ganz sicher, dass ich erst in einigen Tagen oder Wochen die Größe dieser Reise und die Auswirkungen auf mein Leben erfassen und verstehen werde. Aber eines ist sicher: Ich würde mich wieder gleich entscheiden und mich jederzeit wieder auf dieses Abenteuer einlassen.

So und jetzt ab ins Meer!