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Etappe 34: Kommt Prosecco wirklich vom Prosecco?

Da ich gestern schon ein bisschen neugierig war und somit weiß, was mich heute, zumindest am ersten Teil des Trails erwartet, fiebere ich den heutigen Aufbruch schon entgegen. Denn der Rikleweg ist sicher ein ganz besonderes Erlebnis und mit nichts vergleichbar, was ich bisher gesehen habe. Mit dem Meer zur rechten Hand und Blick immer nach Triest gerichtet, führt der Weg von Duino nach Villaggio S. Mauro. Das Meer glitzert in der Sonne und ich bin immer wieder gefesselt vom Anblick der Schiffe, die über das Wasser gleiten. Obwohl es noch Früh am Morgen ist, oder gerade deshalb, kommen mir viele Jogger entgegen. Ich stelle mir vor, wie ich in der Gegend wohne und jeden Tag diesen tollen Weg erleben darf. Wahrscheinlich macht das die Leute hier ein kleines Bisschen glücklicher.

In Villagio S. Mauro folge ich ein kleines Stück der Hauptstraße. Sollte man Vorräte aufstocken wollen oder Hygieneartikel brauchen, findet man hier alles Notwendige. Anschließend überquere ich die Autobahn und folge kleinen Gassen auf einen wunderschönen Wanderpfad, dem ich für einige Zeit entlang gehe. Immer wieder sehe ich die beeindruckenden Steinmauern an der Seite des Weges und komme an netten Ortschaften vorbei. Manchmal treffe ich den einen oder anderen Anwohner, der mich fragt, wohin ich gehe und von wo ich komme. Aber nicht, weil sie mein Weg interessiert, sondern hauptsächlich um dann in einem zweiten Satz zu fragen, wie der kleine Hund das schafft und ob ihm das eh nicht zu viel ist. Das bringt mich immer wieder zum Schmunzeln, denn mich hat das noch nie jemand gefragt ;-)

Es ist heute alles bestens ausgeschildert und ich erreiche mit Leichtigkeit den Ort Sgonico. Die Sonne brennt anständig vom Himmel und Pixi ist bis zum nächsten Waldstück gut im Rucksack verstaut. Ich folge der asphaltierten Bundesstraße und konzentriere mich darauf möglichst sichtbar zu sein. Plötzlich hält ein Polizeiauto neben mir. Die Polizisten, so typisch coole Italiener mit Sonnenbrille, die auch direkt einer Modezeitschrift entsprungen sein könnten. Der eine lehnt seinen Arm aus dem Fenster des Autos und fragt mich, woher ich bin, von wo ich komme und wohin ich gehe und ob das eh mein Hund ist, den ich da so gut eingepackt trage und warum der nicht zu Fuß gehen kann. Ich antworte ihm brav und muss lächeln. Die haben mich anscheinend für einen Tierdieb gehalten. Klar, weil einem Trailer nichts besseres einfällt, als sich 4 Kilo Extragewicht zu erstehen wofür man dann auch noch das Futter mitschleppen muss. Trotzdem bin ich erleichtert, als sie weiterfahren.

Endlich wieder Wald. Ich habe den weichen Boden, den Duft der Bäume und den schattigen Weg vermisst. Aber ich darf mich nicht beschweren, denn das Wetter ist einfach ein Traum und ich kann jeden Schritt genießen. Schneller als gedacht treffe ich in Prosecco ein. Irgendwie hatte ich es mir so vorgestellt, dass es viele kleine Läden gibt, wo davor jede Menge Leute sitzen und Prosecco schlürfen, denn ich befinde mich direkt in der Stadt, die dem köstlichen Schaumwein seinen Namen gegeben hat.

Für viele Trailer endet hier die Etappe, aber ich habe etwas anderes im Kopf. Warum nicht noch schnell das Schloß Miramare besichtigen, wenn man schon hier in der Gegend ist. Ich muss Sie kurz warnen. Nach ca. sechs Stunden und 23 Kilometern ist das kein einfaches Unterfangen, aber es zahlt sich definitiv aus. Folgt man weiter dem Weg der nächsten Etappe, kommt man zu einer Wegkreuzung. Wenn man hier nach rechts abbiegt, statt am See links vorbei zu gehen, führt ein Pfad zum Meer. Zuerst noch asphaltiert und dann über etliche Stufen – vorbei am Bahnhof – durch die Fußgängerunterführung erreicht man nach ungefähr 250 Höhenmetern nach unten das Meer. Vor allem der Weg wieder hinauf hat es in sich, aber es zahlt sich einfach aus – der Anblick des wundervollen Schlosses bei traumhaftem Wetter umgeben vom glitzernden Meer. Die Leute, die das Wetter hier für ein Bad nutzen strahlen eine Lebensfreude aus, die mich beflügelt. Pixi ist auch motiviert, zögert nicht lang und geht direkt bei der Schiffsanlegestelle des Schlosses ins kühle Nass. Ich hätte es ihr gerne gleichgetan, aber das wäre wahrscheinlich nicht sehr erwünscht gewesen.

Zurück in Prosecco fällt mir auf, dass meine Unterkunft dieses Mal noch einige Kilometer weiter im nächsten Ort ist. Hätte ich das vorher gesehen, hätte ich wahrscheinlich den Umweg zum Schloß ausgelassen. Aber es war trotzdem einmalig und ich will diese Erfahrung nicht missen, wenngleich ich jetzt ganz stark sein muss.

Mein Tipp: Schauen Sie beim Verlassen ihrer Unterkunft immer zuerst, wo die nächste ist, dann können Sie sich ihre Kraft besser einteilen und erleben keine kräfteraubenden Überraschungen.

An diesem Tag habe ich 38 Kilometer zurückgelegt. Mein absoluter Rekord!