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Etappe 25: Vom Läuten der Kirchenglocken bis zur peinlichsten Autofahrt meines Lebens

Das Wetter ist wieder mal grandios. Das Gewitter von gestern vergessen, die Sonne lacht vom Himmel und kein Wölkchen ist zu sehen. Das tut der Seele gut und natürlich auch dem Teint. Gemeinsam mit einem befreundeten Ehepaar nehmen Pixi und ich die Etappe in Angriff. Die Herausforderung liegt eher in der Länge als in den Höhenmetern und wieder führt ein großer Teil an der Soča entlang.

Schon nach wenigen Kilometern wartet die erste Überraschung auf uns. Eine kleine, wunderschöne Kapelle, mit einzigartiger Architektur und einem kleinen Glockenturm mit freihängender Kordel zum Läuten der Glocke. Natürlich lässt das Läuten nicht lange auf sich warten, denn wer kann einer solchen Versuchung widerstehen? Pixi findet das Gebimmel nicht so lustig, hängt sich in die Leine und drängt zum Weitergehen. Für ein kurzes Gebet und einige Fotos ist dann aber noch Zeit – aber eben ohne das beängstigende Glockengeläut.

Ich habe schon einige Male in meinen Blogbeiträgen erwähnt, dass ich es genial finde direkt neben dem Wasser zu wandern. Der Alpe Adria Trail bietet dazu wirklich viel Gelegenheit. Das Highlight sind aber dann wie heute Wasserfälle am Weg. Die Kraft des Wassers beeindruckt mich und die Kühle, die sie umgibt schafft eine tolle Abwechslung zum sonst so heißen Tag. Hier jetzt einfach ins Wasser springen, sich unter den Wasserstrahl stellen und wie im Film die Naturdusche genießen – das wär’s jetzt. Aber man lernt schon in der Volksschule beim Pinguin-Schein, dass man nicht in unbekanntes Gewässer springen soll. So siegt bei mir wieder mal die Vernunft und ich begnüge mich mit dem Balancieren auf den aus dem Wasser ragenden Steinen und mit dem Produzieren von Instagram-Stories vor einzigartigem Hintergrund.

Immer wieder scheint einen das Wasser der Soča förmlich anzuziehen. Obwohl wir wissen, dass die Kälte nicht unbedingt zum Baden einlädt, nutzen wir direkt bei der großen Hängebrücke die Chance und pausieren unseren Weg. Und siehe da, das Wasser ist schon merklich wärmer als noch am Tag davor, einige Kilometer weiter oben. Ok, vielleicht noch nicht die richtige Temperatur zum Baden, aber die Füße möchten schon deutlich mehr Zeit im kühlen Nass verbringen. Sollte also auch bei Ihnen das Wetter dementsprechend sein, dann unbedingt diese kleine Pause einplanen. Die Beine fühlen sich danach einfach himmlisch an.

Gestärkt durch die Wassertherapie folgen wir den Zeichen des Trails. Gut, dass wir den Weg runter zum Fluss genutzt haben, denn danach wird es mit den Möglichkeiten rar. Es geht über Felder und Waldwege. Der Weg ist ausgesprochen steinig.

Mein Tipp: Definitiv Schuhe mit guter Sohle für den Trail wählen. Auf Dauer würde man sonst jeden Stein auf den man tritt einzeln sprühen und das sollte man eher versuchen zu vermeiden.

Gewitter im Anrollen

Der Donner ist in der Ferne schon zu hören. Das bedeutet für uns den Weg immer wieder nach Unterschlupf-Möglichkeiten zu scannen. Pixi kann das gar nicht haben. Sie zittert schon am ganzen Körper, deshalb trage ich sie nah an meinem Körper. Dann ist der Zeitpunkt da. Wir suchen uns einen großen, überhängenden Felsen, lassen die Stöcke am Wegrand zurück und ziehen uns den Regenschutz an. Doch wir haben Glück. Das Gewitter zieht haarscharf an uns vorbei. Zwar donnert es so, als wäre es direkt über uns, aber von Regen und Blitz bleiben wir verschont. Es kann weitergehen…

Einfach nur peinlich

Der Weg wird einfacher. Aus Schotter wird Asphalt und wir durchwandern kleine Ortschaften. Bald ist es geschafft. Es trennt noch ungefähr ein Kilometer vom Etappenziel Drežnica. Ganz unvermittelt ziehen wieder Gewitterwolken auf. Wir suchen einen Unterstand, aber gerade jetzt will keiner auftauchen. Es fängt zum schütten an. Vorne taucht eine Wellblechhütte auf. Auch nicht gerade der sicherste Platz. Es schüttet in Strömen. Dann, unsere Rettung. Ein Auto. Wir rennen auf das Auto zu, halten es an und bitte darum diesen letzten Kilometer mitfahren zu können. Ich glaub den jungen Burschen bliebt einfach keine Wahl. Im strömenden Regen wird der Kindersitz ausgebaut und wir Zwängen uns zu dritt mit Pixi auf die Rückbank des Ford Fiesta und fahren los. Wir sind heilfroh, sicher zu sein. Wahrscheinlich hätten wir es auch noch zu Fuß geschafft, aber gerade bei Gewitter sollte man kein Risiko eingehen.

Die Scheiben des Autos laufen an, wir können unseren eigenen Schweiß riechen. Es stinkt entsetzlich. Uns ist es extrem peinlich, denn wir sind klitschnass, riechen wie eine Herde nasser Hunde, wobei Pixi noch die Harmloseste war, und müssen andauernd lachen. Die Autofahrt ist ziemlich rasant – wahrscheinlich wollten sie uns einfach so schnell wie möglich wieder los werden. ;-)

Mein Tipp: Sollten Sie als Autofahrer mal auf Wanderer stoßen, denken Sie daran, dass diese mit großer Sicherheit nicht sehr angenehm riechen, Sie aber als Retter in der Not unglaublich viele Karma-Punkte sammeln.

Wieder eine Etappe mit emotionalen Höhen und Tiefen, aber sehr unterhaltsam, bereichernd und im Nachhinein ist man einfach nur stolz, zufrieden und glücklich!